Heimlicher Superheld
Foto: Mikrobiom • Wichtig für Darm & Immunsystem Mikrobiom • Wichtig für Darm & Immunsystem / Foto © iStock.com/monstArrr_

Mikrobiom • Wichtig für Darm & Immunsystem


Bevor wir zum Mikrobiom kommen, müssen wir uns aber noch kurz mit den Grundlagen beschäftigen, den Aufgaben unseres Darms:

Darm & Immunabwehr

Im Inneren unseres bis zu 8 Meter langen Darms befinden sich Millionen Zotten. Winzige Erhebungen, die insgesamt für eine Gesamtoberfläche von erstaunlichen 400 bis 500 Quadratmetern sorgen. Gut, um alle nützlichen Nährstoffe aus dem zu absorbieren, was wir zu uns nehmen. Gleichzeitig aber auch eine enorme Angriffsfläche für Krankheitserreger. Was wiederum deutlich macht, weshalb das größte Organ des Menschen nicht nur für die Verdauung zuständig ist, sondern auch einen essentiellen Beitrag zur Verteidigung gegen Bakterien und Keime leisten muss. 80 Prozent unserer Abwehrzellen stehen dem Darm für diese Mission zur Verfügung. Das macht ihn nicht nur zu einem Rädchen im Gesamtgetriebe, sondern zum Hauptakteur unseres Immunsystems.

Immunzellen bei der Arbeit

Immunzellen unterscheiden im Inneren des Darms darüber, welche von den vielen passierenden Stoffen gut für uns sind und deshalb toleriert oder aufgenommen werden - darunter nützliche Nahrungsbestandteile, Mikroorganismen und natürlich die körpereigenen Zellen. Von Immunzellen "aussortiert", also erkannt und abgewehrt, werden dagegen unerwünschte Eindringlinge wie Kranheitserreger und schlichtweg Unnötiges.

Das Mikrobiom

Jetzt kommen wir zum oben erwähnten Faktor X, der die Immunzellen bei ihrer gigantischen und rund um die Uhr geforderten Aufgabe unterstützt, dem Mikrobiom. Gemeint ist mit diesem Namen die Gesamtheit der Bakterien, Pilze, Parasten und Viren, die unseren Körper dort besiedeln, wo er in Kontakt mit der "Außenwelt" tritt. Das ist nicht nur aufgrund der von außen zugeführten Nahrung im Darm der Fall. Die Mikroorganismen finden sich beispielsweise auch auf der Haut. Und auch wenn das im ersten Moment vielleicht nicht so ansprechend klingt: Die vielteilige Lebensgemeinschaft Mikrobiom hat größte Bedeutung für uns und unsere Gesundheit.

Im Darm beispielsweise fungiert es mit seinen mehreren hundert Bakterienarten wie eine Art Trainingsprogramm. Unablässig schickt das Miikrobiom Signale an die Immunzellen, die damit im permanenten Alarm- beziehungsweise Abwehrzustand gehalten werden. Genau deshalb können sie sofort in Aktion treten, wenn ein schädlicher Erreger registriert wird. Klingt faszinierend und großartig? Unbedingt. Voraussetzung ist allerdings, dass die Darmflora im Gleichgewicht ist.

Denn wird das Trainingsprogramm beziehungsweise die Artenvielfalt seiner Bakterien durch Medikamente, Ernährung oder Aktivitätslevel negativ beeinflusst, heißt das natürlich im Umkehrschluss auch, dass Angreifer leichteres Spiel haben und wir anfälliger werden für Entzündungen und Erreger.

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Gut fürs Mikrobiom

Aufs Mikrobiom haben einige Faktoren guten und schlechten Einfluss. Wir wollen unseren heimlichen Superhelden natürlich so gut unterstützen, wie es geht. Also achten wir auf Folgendes:

• Ballaststoffe: Die weitgehend unverdaulichen Nahrungsbestandteile sorgen dafür, dass sich Bifidobakterien verstärkt in unserem Darm ansiedeln. Die wiederum haben die erfreulliche Eigenschaft, einige krankmachende Bakterienarten zu verdrängen. Dass man mit dem Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel wie Vollkornprodukte auch noch die Verdauung fördert, ist ein Bonus. Empfohlene Ballaststoffmenge pro Tag sind 30 Gramm, viele Menschen kommen diesem Ideal (bislang!) nicht nahe.

• Probiotika: Buttermilch, Joghurt, Sauerkraut - alles Lebensmittel, die probiotische Mikroorganismen enthalten. Sie werden von Dickdarmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert, die dann unter anderem Immunzellen im Darm aktivieren.

• Stillen: Die Zusammensetzung und gesunde Entwicklung des Mikrobioms ist schon ab der Geburt durch äußere Faktoren beeinflusst. Auch die ersten zwei Lebensjahre sind mitentscheidend. Wie gut, dass die über die Muttermilch aufgenommenen Oligosaccharide eine positive Wirkung auf unsere Mikroorganismen-Gemeinschaft hat.

• Sport: Nein, einen Marathon muss man nich laufen, um das Mikrobiom glücklich zu machen. Aber so ein bisschen regelmäßige körperliche Betätigung ist neben anderen positiven Nebeneffekten auch eine sinnvolle Maßnahme in Sachen Mikrobiom.

Schlecht fürs Mikrobiom

• Verarbeitete Lebensmittel: Mal eine Fertigpizza ist kein Drama. Aber wer sich häufig oder gar vorwiegend von Fertigprodukte ernährt und damit viel Salz, Fett und künstliche Süßstoffe zu sich nimmt, tut seinem Mikrobiom nichts Gutes und deckt gleichzeitig den Tisch für entzündungsfördende Bakterien.

• Genussmittel: Auch keine Überraschung, aber erwähnenswert ist die Tatsache, dass sich auch Alkohol und Rauchen negativ aufs Mikrobiom auswirken.

• Medikamente: Antibiotika sind in vielerlei Hinsicht ein Segen, aber auch ein starkes Medikament. Mit den Krankheitserregern, auf die es quasi angesetzt wird, greift es außerdem die unverzichtbaren Mitbewohner im Darm an, stört die Darmflora. Mit ein Grund, weshalb Antibiotika nur eingesetzt werden sollten, wenn es nicht anders geht.

• Kaiserschnitt: Im Gegensatz zur natürlichen Geburt wird bei dieser Operation die sonst stattfindende Erstbesiedelung des Mikrobioms im Darm beim Neugeborenen unterbunden. Das wiederum könnte Krankheiten im Kindes- und Erwachsenenalter begünstigen, wie die Forschung vermutet.

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